Allen in der Gemeinde einen herzlichen Gruß!

Bei der letzten Pfarrversammlung am Beginn diesen Jahres ging es vor allem um die Frage nach der Zukunft der Kirche in Nottuln. Es ging um die Frage, wie wir in einer veränderten Situation mit weniger Hauptamtlichen Christsein in Darup leben können ohne unterzugehen in einer möglichen Großpfarrei Nottuln. In diesem Pfarrbrief können Sie jetzt lesen, wie die Situation sich entwickelt hat. Nach dem Brief unseres Regionalbischofs Josef Voß haben die Vorstände der vier Pfarrgemeinden Nottulns mit den Hauptamtlichen in der Seelsorge gemeinsam einstimmig beschlossen, auf eine gemeinsame Großpfarrei mit vier Gemeinden zuzugehen. Jetzt gilt es, diesen Beschluss umzusetzen und mit Leben zu erfüllen.

Sicher gibt es dabei Vieles zu bedenken, von der Frage nach Anlaufstellen (Pfarrbüros) und Versammlungsstätten (Pfarrheime) bis zu den Feiern der Sakramente in den vier Kirchen, von der Frage nach den Sonntagsgottes-diensten bis zu den Beerdigungen, von der Verwaltung der Gebäude, der Kindergarten und Friedhöfe bis zur Einstellung neuer Mitarbeiter-innen. Und es wird noch zu einigem Ausprobieren kommen, damit wir feststellen können, was geht und was nicht.

Das alles und vieles andere wird tief in das Leben der Pfarrgemeinde eingreifen. Sich diese Situation schön zu reden und zu idealisieren, ist nicht ange-bracht. Allerdiengs ist es genauso schlecht, die vielen positiven Möglichkeiten zu übersehen: Das Profil jeder der vier bisherigen Ortsgemeinden kann und muss, wenn sie weiterhin ihre Daseinsberechtigung haben wollen, neu entdeckt und geschärft werden, damit sie sich einbringen in das Konzert der Großpfarrei. Die Christen Nottulns werden die Seelsorge - wie schon im letzten Konzil gefordert - eher selbst in die Hand nehmen und nicht mehr so sehr Objekte, sondern Subjekte der Seelsorge sein. Es wird vielleicht wieder deut-lich werden, dass Kinder z.B. nicht durch Hauptamtliche im Glauben groß werden, sondern durch Eltern und Paten, durch die Familie. Möglichkeiten gibt es mehr als genug zu entdecken, Möglichkeiten, das Leben aus dem Glauben selbst in die Hand zu nehmen.

Ich wünsche uns allen dabei große Gelassenheit, viele Ideen und Ausdauer in der Umsetzung unserer Möglichkeiten.

Bernhard Tietmeyer, Pfarrer

Auf dem Wege zu neuen Strukturen für die Seelsorge.

1. Aufgrund der tief greifenden Veränderungen in unserer Gesellschaft wie auch in der Kirche bemühen wir uns im Bistum Münster darum, für die Zukunft neue, angemessene Strukturen der Seelsorge zu entwickeln. Den Auftakt dazu gaben die Briefe unseres Bischofs an die Gemeinden vor acht Jahren. – Vor dieser Herausforderung stehen alle Diözesen in Deutschland.

2. Wie sich die Bedingungen geändert haben, ist zur Genüge bekannt; ich brauche das nicht auszuführen, sondern nenne nur einige Stichworte.

- Die pastorale Situation verändert sich tief greifend in einer pluralen und zunehmend säkularisierten Gesellschaft, in der Traditionen nur noch bedingt tragfähig sind. Das erfährt jede Gemeinde; das wissen alle, die in der Katechese tätig sind.

- Die demographische Entwicklung macht sich immer stärker bemerkbar (in den vergangenen 40 Jahren ist die Zahl der Taufen im nordrheinwestfälischen Teil des Bistums Münster von 50.000 auf 17.000 Taufen zurückgegangen). Das macht sich zunehmend in Kindergärten und Schulen bemerkbar. Das hat auch Auswirkungen auf kirchliche Berufe. Zugleich ist daran zu erinnern, dass kirchliche Berufe in der Regel aus dem Umkreis der Familien kommen, die mehr oder weniger intensiv am Gemeindeleben teilnehmen.

- Vor diesem Hintergrund ist die Zahl der kirchlichen Berufe empfindlich zurückgegangen; wir werden mit weniger Priestern, Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten und Ordenschristen auskommen müssen.

- Das Bistum Münster gibt noch mehr Geld aus als es einnimmt. Vorgabe seitens des Bischofs ist, bis 2010 wieder einen ausgeglichenen Haushaltsplan zu haben. Das wird nur möglich sein, wenn die Neustrukturierung ernsthaft angegangen wird und zu einem gewissen Abschluss kommt.

3. Angesichts dieser Herausforderungen genügt eine mehr oder weniger verbindliche Kooperation nicht. Die Kirche ist nicht ein Selbstzweck, sondern hat einen Auftrag für die Welt. Ziel ist: Wie können wir in einem Lebensraum / Stadtteil über die bisherigen Grenzen hinweg den seelsorglichen Auftrag gemeinsam wahrnehmen, nämlich Gottes Liebe zu den Menschen heute in den unterschiedlichsten Weisen und in wechselseitiger Ergänzung zu bezeugen.

3.1 Die neue Struktur geht davon aus, dass Gemeinden zu einer neu zu bildenden größeren Gemeinde zusammengelegt werden, in der es in Zukunft einen Pfarrgemeinderat, einen Kirchenvorstand, ein gemeinsames Konzept der Seelsorge und ein Team der Seelsorger geben wird.

3.2 Das bedeutet nicht, dass alles in einen Topf geworfen wird. Die verschiedenen Bezirke der Seelsorge bzw. der Filialgemeinden bleiben; was lebendig ist, soll auch weiter gepflegt werden. Dazu werden in den verschiedenen Filialgemeinden bzw. Seelsorgebezirken entsprechende Verantwortliche notwendig sein, entsprechende Ausschüsse, eine entsprechende Anlaufstelle. Jede Gemeinde bringt ihre Stärken und Schwächen mit. Es geht darum, dass sich die einzelnen Gemeinden in einem gemeinsamen Konzept gegenseitig ergänzen. Das Bemühen geht darum, wegzukommen von der Ein-Personen-Seelsorge, bei der eine Person alles können soll, hin zu einem Seelsorgeteam, das eine differenzierte Seelsorge ermöglicht. Zugleich soll die Verwaltung auf das Notwendige konzentriert werden.

3.3 Wenn die Diözese an dem Ziel festhalten will, einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen, wird sie sich auch im Zusammenwirken mit der Gemeinde von Immobilien trennen müssen.

3.4 Das Bemühen seitens des Bistums geht dahin, mit den Gemeinden in einem Prozess die angemessene Weise der Zusammenlegung zu gestalten. In den vergangenen Jahren konnten Erfahrungen gemacht werden in der Kooperation. Auf diesem Hintergrund steht nun der nächste Schritt an. Für diesen Prozess der Zusammenlegung bietet die Diözese eine kompetente Begleitung an, dass der Prozess möglichst sachlich und angemessen gestaltet werden kann und dadurch das Vertrauen miteinander wächst.

3.5 In den vergangenen Jahren ist die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden St. Maria Himmelfahrt / Appelhülsen und St. Bonifatius / Schapdetten gewachsen wie auch die Zusammenarbeit zwischen St. Martinus / Nottuln und St. Fabian und Sebastian / Darup. Man wird sicherlich berücksichtigen müssen, dass die Zusammenlegung von Gemeinden im ländlichen Bereich angesichts der unterschiedlichen Geschichte und der gegebenen Entfernungen anders aussieht als im städtischen Bereich. Dem ist in dem anstehenden Prozess Rechnung zu tragen.

3.6 Zugleich muss man aber feststellen, dass die Kommunalgemeinde Nottuln nicht so groß ist, dass auf diesem Gebiet auf Dauer zwei Gemeinden zukunftsfähig sind. Bei allen notwendigen Differenzierungen und bei allem Eigenleben in den verschiedenen Ortsteilen bietet die Zusammenlegung der Gemeinden zu einer neuen Gemeinde auf Zukunft hin die größeren Möglichkeiten. Auch wenn der Prozess schwieriger ist, sollte er in diese Richtung angegangen werden.
Ziel muss es sein, dass der Lebensraum Nottuln von allen vier jetzigen Gemeinden als eine gemeinsame Aufgabe angenommen und wahrgenommen wird. In vielen Bereichen - zum Beispiel im Bereich der Schule, der Krankenversorgung, des Kath. Bildungswerkes, ist dieser Prozess schon lange im Gange.

4. Ich möchte Sie ermutigen, den Weg in diese Richtung konsequent anzugehen und weiterzugehen.

Dr. Josef Voß, Weihbischof

Aufgrund des Briefes von Weihbischof Dr. Josef Voß, der am Schluss der hl. Messe verteilt wird, haben sich die hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger der vier Nottulner Pfarrgemeinden und die Vorstände der vier Pfarrgemeinderäte gemeinsam auf folgende Zielperspektive verständigt:

1. Aus den vier selbständigen Nottulner Pfarrgemeinden wird eine einzige Pfarrei gebildet, die aus vier Gemeinden bzw. Seelsorgebezirken (Schap-, detten, Darup, Appelhülsen, Nottuln) besteht. Es wird nur einen Pfarrgemeinderat und einen Kirchenvorstand geben. In den vier Gemeinden der einen Pfarrei Nottuln werden auch weiterhin die kirchlichen Grundvollzüge, z.B. die Feier der Gottesdienste und die Spendung der Sakramente, gesichert sein.

2. Die eine Pfarrei wird von einem Team von Seelsorgerinnen und Seelsorgern geleitet werden. Über die Größe dieses Teams sind zur Zeit noch keine endgültigen Aussagen möglich.

3. Die angestrebte Konstitution der einen Pfarrei Nottuln soll zeitnah erfolgen, entweder Ende 2009 oder spätestens im 1. Halbjahr 2010.

4. Der Weg zur Bildung einer Pfarrei mit vier Gemeinden im Kommunalbezirk Nottuln verlangt eine sorgfältige und behutsame Planung der jetzt not- wendigen Schritte. Diese müssen in enger Zusammenarbeit von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern (z.B. aus PGR und KV) aus den vier Gemeinden überlegt, umgesetzt und fortlaufend überprüft werden. Insbesondere im Bereich der Katechese, hier vor allem der Erstkommunion und Firmung, soll ein für alle verbindliches Konzept erarbeitet werden, das in den nächsten 1 - 2 Jahren umgesetzt wird.

5. Um das angestrebte Ziel zu initiieren, wird ein gemeinsamer Studientag der Hauptamtlichen, der Vorstände der Pfarrgemeinderäte und Vertreter der Kirchenvorstände, unter fachlicher Begleitung aus dem BGV Münster, in den nächsten Wochen als sinnvoll angesehen.